Was ist das Geheimnis von Monkey Island?

Guybrush Threepwood – dieser Name steht für stundenlanges Point-and-klick-Vergnügen. Doch nach all der Zeit mit Geisterpiraten und vergrabenen Schätzen scheint ein Rätsel nach wie vor ungelöst zu sein
Monkey Island Logo
Mehr als 25 Jahre sind es nun her, als ein kleiner Möchtegernpirat loszog, um sich in der Karibik einen Namen zu machen. Wir waren dabei, als Guybrush Threepwood den Geisterpiraten LeChuck in Malzbier auflöste, das Herz der Gouverneurin Elaine im Sturm eroberte und sich auf den Weg nach dem ominösen Schatz Big Whoop aufmachte. Und dennoch, über all die Jahre hinweg blieb eine bohrende Frage zurück: Was zum Klabautermann ist eigentlich das Geheimnis von Monkey Island?

Grund genug sich also erneut auf die Affeninsel zu begeben und einmal die gängigsten Theorien unter die Lupe zu nehmen, auch wenn am Ende die ganz große Erkenntnis ausbleiben sollte. Ganz nach dem Motto: „Ich hab den Schatz von Mêlée Island gefunden, aber alles, was mir blieb, ist dieses T-Shirt.“

Die Vodoo-Wall-Theorie

Wer den ersten Teil von Ron Gilberts Geniestreich The Secret of Monkey Island aus dem Jahr 1990 durchgespielt hat, wird sich erinnern. Monkey Island lässt sich nicht auf normalem Wege erreichen. Stattdessen bedarf es eines Vodoo-Zaubers in Form einer Kopfschmerzen-Suppe, welche die gesamte Besatzung eines Schiffes kurzerhand in das Land der Träume versetzt und ans Ziel befördert. Es wäre also durchaus möglich, dass sich Monkey Island hinter einer Art magischer Barriere verbirgt. Mehr noch: Die Insel scheint niemals an einem Ort zu verweilen.

Guybrush ankert vor Monkey Island.
Ein Vodoo-Zauber bringt Guybrush nach Monkey Island.

Diese Theorie wird auch als Vodoo-Wall-Theorie bezeichnet. Im Spiel und in dessem direktem Nachfolger Monkey Island 2: LeChucks Revenge (1991) finden sich immer wieder Hinweise darauf, dass die Insel quasi wie in einer Raum-Zeit-Kapsel über den Ozean driftet. Wenn beispielsweise Guybrush auf dem Berg in The Secret of Monkey Island mit einem Fernglas Ausschau hält, erkennt er den Späher auf den Berg von Mêlée Island. Das müsste schon ein sehr leistungsstarkes Fernglas sein! Ein anderes Mal scheint Monkey Island und Dinky Island (die bekanntlich zusammengehören) direkt unter Mêlée Island zu liegen. Denn als Guybrush in LeChucks Revenge den Aufzug verwendet, findet er sich kurzerhand wieder auf Mêlée. An anderer Stelle scheint Monkey Island wiederum in unmittelbarer Nähe zu Booty Island zu liegen. Dank der Vodoo-Wall-Theorie alles kein Problem.

Die Karte aus dem Intro von Monkey Island 3.
Monkey Island und Dinky Island verbergen sich hinter einem undursichtigen Schleier.

Dennoch gibt es immer wieder Fans und begeisterter Hobbypiraten, die Zweifel an der Vodoo-Wall-Theorie haben. Auch wenn die Theorie schlüssig erscheint, ist damit das Geheimnis von Monkey Island wirklich gelüftet? Denn vieles bleibt ungelöst. Was hat es etwa mit dem Schatz Big Whoop auf sich, dem Guybrush im zweiten Teil der Piratensaga auf der Spur ist?

Die Legende von Big Whoop

Big Whoop ist laut der Legende ein Schatz, so wunderbar oder so schrecklich, dass niemand ihn jemals finden sollte. Einige behaupten, er wäre ein Zugang in eine andere Dimension. Und in der Tat, als Guybrush Big Whoop nach Spuckwettbewerben, Beziehungskrisen und anderen Strapazen schlussendlich findet, ist die Verwunderung zunächst groß. Kein Gold oder Silber, keine Diamanten, nein, noch nicht einmal irgendwelche Lebensversicherungen. Nichts, was auf Ruhm und Reichtum hindeutet. Stattdessen findet er nur eine einfache Holzkiste und darin: eine Eintrittskarte für einen Vergnügungspark.

Guybrush und der Schatz Big Whoop.
Das X markiert die Stelle zu Big Whoop.

Doch die Freude (oder Enttäuschung) über den Fund währt nicht lange. Denn prompt erscheint LeChuck auf der Bildfläche. Nach einem finalen Aufeinandertreffen mit seinem Erzfeind in den Katakomben von Dinky Island entpuppt sich dieser plötzlich als sein Bruder Chuckie, der ihm widerwillig mitteilt, dass seine Eltern ihn geschickt hätten, um ihn zu suchen. Kurz darauf finden sie sich plötzlich auf einem Jahrmarkt wieder, beide in der Gestalt von kleinen Jungen. Sie werden von zwei Personen empfangen, die sich als ihre Eltern ausgeben. Damit endet das Spiel.

Alles nur Einbildung?

Dieses Ende wird auch heute noch von Fans heftig diskutiert. Ist Big Whoop also doch die Eintrittskarte in eine andere Welt? Oder ist der Park nur eine Falle, um Abenteurer vom wahren Schatz Big Whoop fernzuhalten? Oder ist alles noch verzwickter: Könnte das ganze Spiel, der mühsame Weg ein mächtiger Pirat zu werden, der Kampf gegen LeChuck sowie die große Liebe zu Elaine nur der Fantasie eines kleinen Jungen entsprungen sein? Einige Hinweise sprechen dafür:

  • So findet sich beispielsweise im ersten Teil auf Stans Schiffsverkaufsbasar ein Getränkeautomat, der so gar nicht ins Piratenidyll passt. 
  • Um Pirat zu werden, muss Guybrush unter anderem den Schwertmeister besiegen. Als er den Wettstreit gewinnt, erhält er als Belohnung ein Baumwoll T-Shirt, was in Vergnügungsparks als Preis nicht unüblich ist. 
  • Eine weitere Prüfung, die aus Guybrush einen waschechten Piraten machen soll, sieht die Schatzsuche vor. Nach einem langen und mühsamen Spaziergang durch die Wälder von Mêlée Island findet er schließlich den Schatz und erhält - wer hätte es gedacht - noch ein T-Shirt.
Guybrush findet ein T-Shirt.
Eine dürftige Belohnung für all die Mühe.

Das Geheimnis von Monkey Island wäre demnach, dass Monkey Island nicht existiert. Stattdessen hätten wir es mit einem kleinen Jungen zu tun, der gemeinsam mit seinen Eltern und seinem Bruder einen Ausflug zu einem Vergnügungspark unternimmt und dabei mehr oder weniger verloren geht. Die Eltern schicken Chuckie um nach ihm suchen, der in der Vorstellung Guybrushs daher zum absoluten Bösen mutiert. Er erlebt die verschiedensten Abenteuer, bis er schlussendlich in die Realität zurückgezogen wird und aus seiner Traumwelt erwacht.

Monkey Island 3a

Wie so oft wird auch diese Version nicht von allen gleichermaßen geteilt. Einige halten daran fest, dass LeChuck Guybrush lediglich verhext hat. Das rote Leuchten in Chuckies Augen am Ende des zweiten Teils lässt darauf schließen. Zudem konnte Guybrush zu Beginn des dritten Teils, The Curse of Monkey Island aus dem sogenannten Jahrmarkt der Verdammten entkommen.

Der Jahrmarkt der Verdammten aus Monkey Island 2.
Das Ende des zweiten Teils ist umstritten.

Doch an der Entwicklung von Monkey Island 3 aus dem Jahr 1997 war Ron Gilbert nicht beteiligt. Auch die weiteren Fortsetzungen, Fluch von Monkey Island (2000) sowie die Telltale-Serie (2009), wurden ebenfalls ohne seine Hilfe fertiggestellt. Aus diesem Grund bleiben diese Serienableger hier auch unberücksichtigt.

Am einfachsten wäre es daher, den Schöpfer der Serie selbst nach dem Geheimnis von Monkey Island zu befragen. Doch Ron Gilbert hüllt sich bis heute in Schweigen. Lediglich einige Hinweise lassen sich aus den diversen Interviews ableiten. So soll er einmal gesagt haben, dass nicht alle Gags in Monkey Island auch wirklich Gags seien. Das lässt den Schluss zu, dass einige Überlegungen richtig sein könnten. Zudem hat er auf seinem Blog verlautbaren lassen, dass Monkey Island von Anfang an als Dreiteiler geplant war. Erst im abschließenden Teil sollte das Rätsel schlussendlich gelöst werden. Doch Monkey Island 3a, wie er es nannte, sollte nie fertiggestellt werden. Seitdem Disney das Unternehmen LucasArts übernommen hatte, sind die Aussichten dafür um so schlechter. Für echte Fans bleibt daher das Geheimnis von Monkey Island weiterhin ein Rätsel, das gelöst werden will.

Guybrush schaut verblüfft.
Was verbirgt sich wirklich hinter dem Geheimnis von Monkey Island?

Aber vielleicht sind auch ganz andere Ansätze von Nöten. Ganz so wie der Einsiedler Herman Toothrot einmal fragte: „Wenn ein Baum in einem Wald umfällt, und niemand da ist, der es hören kann, welche Farbe hat dann der Baum?“
Die Antwort: alle Farben.
Bildquellen: Story|Modus, www.tentakelvilla.de, https://de.wikipedia.org, www.spriters-resource.com

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